Autor: martinablum

  • Früher war nicht alles besser

    Früher war alles besser. Der Satz ist mir kürzlich wieder mal begegnet. Echt jetzt? «Früher war vieles anders», dahinter kann ich stehen. Aber besser?

    Wenn mir meine Grossmutter oder meine Mutter von ihrer Schulzeit erzählt haben, dann sprachen sie von grossen Klassen; über 50 Kinder waren keine Seltenheit. Sie erzählten von
    strengen Lehrpersonen und «Schäm-dich» Ecken. Wer Kritik wagte, erhielt mit dem Lineal
    einen Schlag auf die Hände. Als Schulvorsteherin bin ich einfach nur froh, dass Innovation nicht vor der Schule Halt gemacht hat und dass Bildung und Pädagogik jetzt Hand in Hand gehen.

    Heute haben wir eine andere Schule und ein anderes gesellschaftliches Wertesystem. Zu den Aufgaben von damals – Erziehung und Ausbildung – sind weitere gesellschaftliche Anliegen
    gekommen, zu denen auch die Schulen einen wertvollen Beitrag leisten: Inklusion, Klimaschutz und Kinderbetreuung; um nur einige zu nennen. Die Aufgaben und gesellschaftlichen Entwicklungen werden vielfältiger und komplexer. Unsere Ressourcen – sei es finanziell, personell oder ökologisch – regenerieren sich jedoch nicht in gleichem Tempo.

    Und hier kommt Innovation ins Spiel. Einstein hinterliess uns die Erkenntnis, dass wir Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind. Um neue Lösungen zu finden, müssen wir experimentieren und aus Fehlern lernen, Prozesse reflektieren und sie ständig anpassen. Nur so können wir uns weiterentwickeln und als Gesellschaft vorwärtskommen. Wichtig dabei ist: Innovation funktioniert nur im Team. Und es braucht eine offene, vertrauensvolle Umgebung dafür.

    In der Verwaltung, die in ihrem Tagesgeschäft verlässlich, effizient und stabil sein muss, ist es oft eine Gratwanderung, sich bewusst Raum zu nehmen für Veränderung, Kreativität und der damit einhergehenden Unsicherheit. Im Departement Schule und Sport wurde kürzlich auf Eigeninitiative des Teams ein Projekt lanciert, dass die rund 1400 Anmeldungen (pro
    Semester!) zu den gefragten Schulsportkursen mit einem Web-Tool stark vereinfachen wird.
    Das städtische Programm «Smart City» unterstützt die Idee. Genauso wie das Pilot-Projekt der Abteilung Schule und Computer, die gerade eine Lösung prüft, bei der ein langzeiterkrankter Schüler per Avatar von zuhause aus am Unterricht teilnehmen kann. Einfach toll, oder? Ein Hoch auf Innovation und neue Erkenntnisse! Zum Beispiel die Erkenntnis, dass die guten alten Zeiten nicht in jeder Hinsicht besser waren.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 5. Juni 2025

  • Vom Suchen und Finden

    Was denken Sie, worauf es wohl eher ankommt: Das Osternäschtli zu suchen oder das Osternäschtli zu finden? Vielleicht eine Typfrage. Wenn ich mich an meine Kinder erinnere, würde ich sagen: Für sie war es die Suche. Diesen Gedanken verstecken wir vorerst, zum Beispiel im Haselstrauch und machen einen (Hasen-) Sprung zu einem anderen Thema.

    Als Vorsteherin des Schul- und Sportdepartements und Präsidentin der Winterthurer Schulpflege war ich kürzlich auf einer Bildungskonferenz – einer Konferenz mit grossen Fragen. Was ist eine gute Schule? Wird Unterricht für viele den Einzelnen gerecht? Was ist mit jenen, die sich herausfordernd verhalten? Kleine oder grosse Klassen? Was sollten Kinder in der Schule lernen? Noten – ja oder nein? Eine Schule für alle und eine Schule für die Zukunft – aber wie?

    Diese Fragen haben Sie sicher auch schon gehört. Sie sind nicht neu. Aber die Antworten, die mal richtig waren, sind es eben nicht mehr unbedingt. Das ist einer der Momente, die ich besonders mag. Fragen sind die Chance auf Veränderung. Veränderung fängt mit einer Frage an und entwickelt sich während der Suche nach Lösungsansätzen. So kommt Chancengleichheit in unser System und so gestaltet die Stadt Winterthur nachhaltige Betreuungs- und Bildungsangebote für alle.

    Nicht, dass es dafür eindeutige Antworten und Wege gäbe. Wem der Themensprung zu gross war und wer inzwischen in der Regenrinne nach dem Osternäschtli sucht: Das Suchen will auch ausgehalten werden, mit Neugier, Offenheit und hoher Frustrationstoleranz. Jahrelang an einem Problem zu forschen beispielsweise, ist das eine. Aber das andere ist es, wenn die Lesebrille einfach nicht auffindbar ist. Dann sieht es mit der Geduld gleich anders aus.

    Und ebenfalls entscheidend: Ein Kind, das ein Erfolgserlebnis hat, also mal das Osternäschtli findet, ist auch für die Suche viel motivierter. Daher kehren wir nun zu unserem Haselstrauch zurück, zum versteckten Osternäschtli – sofern es noch da ist und sich nicht der Hund darüber hergemacht hat. Denn manche finden ja auch etwas, nach dem sie gar nicht gesucht hatten.

    Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage, ein gutes Suchen und Finden! Vielleicht auch neuer Wege?


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 17. April 2025

  • Nachhaltig beeindruckt

    Diesen Montag durfte ich als Schulvorsteherin bei einem ganz besonderen «Spatenstich» dabei sein. Nein, es ging nicht um den Spatenstich für ein neues Schulhaus – das hätte mich natürlich auch gefreut. Die Spaten hielten dieses Mal Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern in den Händen und sie haben mit ihrer Aktion den Start zu einem blühenden und nachhaltigen Projekt markiert.

    Die Klasse 5./6a des Schulhauses Schachen konnte am Montag zusammen mit ihren beiden Lehrpersonen den 1. Jury-Preis des nationalen Schulwettbewerbs «Ran an den Spaten» für ihr Schulgartenprojekt entgegennehmen. Die Schülerinnen und Schüler haben recherchiert, Interviews geführt und dann ihre Vision eingereicht, die jetzt preisgekrönt wurde. Beim Schulhaus Schachen werden künftig rund 30 verschiedene Gemüsekulturen und Pflanzenarten spriessen, natürlich biologisch. Und: Ein Teil des Schulunterrichts wird in den kommenden Jahren beim und rund um den neuen Schulgarten stattfinden. Begleitet wird das Projekt von Acker Schweiz mit dem treffenden Slogan «Wo Begeisterung wächst».

    Ich kann nur sagen: Wow! Und herzliche Gratulation. Als Stadträtin des Departementes Schule und Sport bin ich unter anderem für die Bildung der Kinder und Jugendlichen in Winterthur zuständig. Bildung ist wichtig. Und ja, dazu gehören Mathe und Sprachen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, dass eben auch andere Themen zur Bildung eines Menschen gehören. Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie, Biodiversität, gesunde Ernährung und soziale Kompetenzen im weitesten Sinne.

    Das Schulgartenprojekt Schachen passt perfekt zur Nachhaltigkeits-Initiative, die wir im Departement Schule und Sport gestartet haben. Der Fokus liegt dabei auf drei Querschnittsthemen: ökologische, soziale und finanzielle Nachhaltigkeit. Wir sammeln Projekte sowie neue Ideen und Visionen – siehe Schulgarten Schachen –, um davon zu lernen und bewährte Praktiken zu multiplizieren.

    Apropos Spatenstich: Haben Sie gewusst, dass in einer Schaufel (biologischer) Erde weit über 100’000 Lebewesen und Organismen stecken? Der Boden unter unseren Füssen lebt! Und übrigens tönt er auch. Bodentiere machen Geräusche, wenn sie sich bewegen, fressen oder kommunizieren. Glauben Sie nicht? Dann hören Sie mal, wie der Boden eines Buchenwaldes auf dem Irchel tönt oder ein Komposthaufen in Winterthur: soundingsoil.ch.

    In diesem Sinne: Bleiben wir geerdet und mit beiden Füssen fest auf dem Boden.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 6. März 2025

  • Das Jahr der Kamele ist vorbei

    Haben Sie es gewusst? Oder sogar irgendwie gespürt? 2024 war das internationale Jahr der Kamele. Die Vereinten Nationen zeichnen jedes einzelne Jahr mit einem speziellen, thematischen Etikett aus. Nicht immer ist der Sinn dahinter für alle auf der Welt erkennbar. Sind wir ehrlich: Kamele kennen wir hierzulande eigentlich nur vom Kinderzoo in Rapperswil oder der Arena des Zirkus Knie. Aber die UNO macht sich schon mehr Gedanken, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Das Kamel ist eines der widerstandsfähigsten Tiere und für einige Länder und Völker das Transportmittel schlecht hin. Es benötigt kein Benzin, kommt in der Wüste tagelang ohne Wasser aus und mühelos durch den Sand. Gerade in den Zeiten des Klimawandels ist ihre Bedeutung daher nicht hoch genug zu schätzen.

    Aber 2024 ist Vergangenheit. Vor ein paar Tagen haben wir das Jahr 2025 begrüsst. Die UNO auch. Und zwar mit dem Etikett «Internationales Jahr der Quantenphysik und der Quantentechnologie». Dann lieber Kamele, mögen die einen denken. Aber die Quantenhypothese von Max Planck war zu Beginn des 19. Jahrhunderts wichtig, weil die klassische Physik damals bei der Beschreibung von Licht an ihre Grenzen stiess. Die Quantenmechanik legte den Grundstein für Erfindungen wie die heutige Lasertechnik, Computerchips und Solarzellen. Es war ein Quantensprung. Und «Quantensprünge» erlebt die Menschheit immer wieder mal. Die letzten waren wohl das World Wide Web, also das Internet und jetzt auch die künstliche Intelligenz.

    Local first: Man kann sich die Frage stellen, ob es Sinn machen würde, wenn der Stadtrat von Winterthur parallel zu den internationalen Jahren auch kommunale Themenjahre küren würde. Wie die für 2025 wohl heissen würden? Ich überlasse das entsprechende Mutmassen der Winterthurer Bevölkerung. Die Gedanken sind frei.

    Als Vorsteherin des Departementes Schule und Sport hätte ich aber ganz konkrete Vorschläge für die Jahre 2025, 2026, 2027… Jahr der Bildung, Jahr der Bildungs-Chancengerechtigkeit, Jahr der Inklusion, Jahr der schulergänzenden Betreuung, Jahr des Vereinssports, Jahr des Schulsports, Jahr der Bewegung und Begegnung im öffentlichen Raum. Es gäbe noch viele mehr…

    Als ob die UNO geahnt hätte, dass das mit der Quantenphysik doch etwas schwierig sein wird, hat sie für 2025 ein zweites Thema lanciert: «Jahr der Erhaltung der Gletscher». Da sind wir in der Schweiz schon näher dran. Der Fokus ist klar: Das grosse Gletscherschmelzen und die Auswirkungen der Klimaerwärmung.

    Aber vielleicht würde es uns allen guttun, wenn wir dem frischen Jahr 2025 ein ganz persönliches, individuelles Motto geben würden. Zum Beispiel 2025, mein Jahr der Freundschaftspflege, der Fitness, des Lernens, der Nachhaltigkeit, der Offenheit für Neues, des Staunens und der Neugier…

    Wie auch immer. Ich wünsche ein gutes, erfülltes neues Jahr! Vielleicht ja mit ein paar persönlichen Quantensprüngen.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    P.S. 2026 ist das internationale Jahr der Freiwilligen im Dienste der nachhaltigen Entwicklung.


    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 9. Januar 2025

  • Unsere Sportvereine – sie bewegen Winterthur

    Keine zwei Wochen mehr, und schon fällt wieder der Startschuss zum Hegemer-Chlauslauf. Der Event rund ums Schloss Hegi ist ein sportliches Highlight; und auch dieses Jahr freue ich mich sehr darauf. Dass er überhaupt stattfinden kann, geht auf viel freiwilliges Engagement seitens des TV Hegi zurück, einem von über 200 Sportvereinen in Winterthur. Was sie für unsere Stadt leisten, könnte eine eigene Kolumne füllen: Gesundheitsförderung, soziale Integration, Gemeinschaftssinn, Jugendarbeit, Wertevermittlung, Inklusion … Sportvereine sind ein unersetzlicher Teil unserer Gesellschaft, und es gilt allen herzlich zu danken, die sich dafür engagieren.

    Gerade weil diese Vereine so wichtig sind, unterstützt die Stadt sie jährlich mit 300’000 Franken und stellt ihnen die Sportanlagen zu einem vergünstigten Preis zur Verfügung – den unter 20-Jährigen sogar umsonst. Gut drei Viertel der Vereine nutzen dieses Angebot. Jeder von ihnen ist im Schnitt 17 Stunden pro Woche auf öffentlichen Anlagen und Schulsportanlagen. Ausserdem hilft die Stadt den Vereinen, neue Mitglieder zu gewinnen, sich untereinander zu vernetzen und bei der Kommunikation.

    Die aktuellen Herausforderungen lassen auch die Sportvereine nicht unberührt. Die rasch wachsende Anzahl Schülerinnen und Schüler und die fehlende Infrastruktur betreffen alle. Doch Stadt und Vereine haben die gleiche Mission – wir bewegen Winterthur. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass wir unseren Vereinen weiterhin so viel bieten können. Dafür stehen wir etwa im engen Austausch mit den Vereinen um die Sportanlagen optimal auszunutzen.

    Ein weiteres Anliegen ist mir die Frauenförderung. Verglichen mit dem Schweizer Durchschnitt sind Frauen in den Winterthurer Vereinen mit 41 Prozent zwar schon gut vertreten, aber wir arbeiten daran, hier auf 50 Prozent zu kommen. Denn es ist nicht so, als würden in Winterthur Frauen grundsätzlich weniger Sport treiben als Männer. Im Gegenteil, Frauen treiben mehr Sport, nur in den Vereinen – und dort insbesondere den Führungsgremien – sind sie untervertreten. Um die Positionierung der Frauen in Sport und Beruf zu stärken, bin ich Mitglied bei Sportif; einem Netzwerk für Frauen und Sportlerinnen, mit dem Ziel, Frauensport sichtbarer zu machen und gleiche Löhne, Trainingsbedingungen und Ressourcen unabhängig vom Geschlecht zu schaffen. Denn mein Wunsch ist es, dass in Winterthur auch in Zukunft möglichst alle Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Seniorinnen und Senioren Längen schwimmen, Tore schiessen, über Felder rennen oder die Yogamatte ausrollen.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 7. November 2024

  • Bezahlbare Betreuung für alle

    Eltern von Kindern im Primarschulalter haben es nicht leicht. Schon gar nicht, wenn sie berufstätig sind. Mit drei Kindern und einem Pensum von je 80 Prozent hätten mein Mann und ich das ohne Unterstützung schlichtweg nicht gepackt. Wir waren unendlich froh, bot die Stadt Betreuungsangebote wie den Mittagstisch oder die Nachmittags- und Ferienbetreuung.

    Vielen Müttern und Vätern in Winterthur scheint es ähnlich zu gehen. Über 4300 Kinder – fast die Hälfte aller Kindergarten- und Primarschulkinder – besuchen die schulergänzende Betreuung. 600 Betreuungsangestellte setzen sich täglich leidenschaftlich dafür ein, dass alle Kinder gut versorgt werden. Die Nachfrage nach diesem Angebot hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und es werden stetig mehr. Die Stadt Winterthur investiert jährlich rund 20 Millionen Franken in die Betreuung. Damit übernimmt sie ca. zwei Drittel der Kosten, nur rund ein Drittel müssen durch Elternbeiträge gedeckt werden.

    Ausserfamiliäre Betreuung stärkt unsere Gesellschaft. Zum einen ermöglicht sie Eltern – insbesondere Frauen – bessere Bedingungen für eine stärkere Beteiligung am Erwerbsleben. Sie hat damit einen hohen wirtschaftlichen Nutzen und ist unerlässlich für die Gleichstellung der Geschlechter. Ausserdem fördert sie die Chancengleichheit der Kinder. Das gilt allerdings nur, wenn sich alle Eltern – unabhängig vom Einkommen – die Betreuung leisten können. Deshalb sind die Elternbeiträge vom Haushaltseinkommen abhängig. Rund 30% der Kinder haben zudem einen voll subventionierten Platz.

    Und genau an diesem Punkt stehen wir vor einer Herausforderung. Denn die Kosten für die Betreuung steigen. Das liegt nicht nur an der erhöhten Nachfrage sondern auch daran, dass die Löhne den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Ausserdem steigen Qualität und Professionalisierung. Das ist richtig so, doch Weiterbildung kostet.

    Um diese Kosten zu decken und die Elternbeiträge möglichst tief zu halten, sollte sich an der schulergänzenden Betreuung auch der Kanton beteiligen. Gute Betreuung darf nicht nur Aufgabe von Eltern und Gemeinde sein. Der Kanton Zürich ist einer von wenigen Kantonen, der die Gemeinden in diesem Bereich nicht unterstützt. So zahlt etwa der Kanton St. Gallen seinen Gemeinden jährlich insgesamt zehn Millionen Franken für die familien- und schulergänzende Betreuung. Der Kanton Bern übernimmt 35 Prozent der Kosten des Tagesschulangebots.

    Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und die Kosten für diese wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe gemeinsam zu tragen. Dafür setze ich mich ein.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 19. September 2024

  • Teilhabe für alle – zur aktuellen Debatte rund um die «Störer»

    Bestimmt haben auch Sie das schon erlebt: Sie waren ausgeschlossen. Man hat Sie nicht eingeladen oder Sie konnten nicht teilnehmen. Nun stellen Sie sich vor, es ginge Ihnen tagtäglich so. Leider ist unsere Gesellschaft bis heute noch so aufgebaut, dass viele nicht vollständig daran teilhaben können. Leute mit einer Sprachbarriere, Menschen mit Behinderung, Eltern kleiner Kinder, alte Menschen und viele mehr.

    Als Gesellschaft sind wir verantwortlich, möglichst alle Menschen teilhaben zu lassen. Stichworte dazu sind Diversität, Inklusion oder Integration.

    Die Debatte um die Inklusion in der Volksschule wurde jüngst politisch wieder angeheizt. Politikerinnen und Politiker fordern «Integration mit Augenmass», manche erklären die Integration gar als gescheitert. Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten oder Sprachbarrieren sollen vom Regelschulunterricht ausgeschlossen und separat unterrichtet werden – angeblich zu ihrem eigenem Wohl und dem Wohl der anderen Kinder.

    Die Volksschule ist praktisch der letzte Ort, an dem Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammenkommen. Es wird dort eine enorme Leistung zur Teilhabe aller Menschen erbracht. Hier lernen Kinder früh, dass Unterschiede bereichern und nicht trennen. Werte wie Empathie und Toleranz werden gelebt statt gelehrt. Jedes Kind trägt etwas einmaliges bei, das es zu fördern gilt.

    Es stellt sich auch die Frage: Wie sollen Kinder, die in der Debatte als «Störer» oder «Sonderfälle» bezeichnet werden, in die Gemeinschaft zurückfinden, wenn sie separiert unterrichtet werden?

    Inklusion ist eine der Hauptaufgaben unserer Gesellschaft und somit auch der Schulen. SP-Nationalrat Islam Alijaj hat es jüngst auf den Punkt gebracht: Es geht nicht um das ob sondern um das wie.

    Was aber nicht passieren darf: dass die Inklusion von einzelnen Lehrpersonen gestemmt werden muss. Deshalb haben wir im Schuldepartement im Frühjahr die interdisziplinäre Taskfore «Inklusion» gegründet. Fach- und Führungspersonen werden die Schulen näher begleiten. Sie werden in herausfordernden Situationen und bei der Suche nach kreativen Lösungen unterstützen. Die Schulen sollen voneinander lernen und gute Modelle übernehmen.

    Das Ziel einer inklusiven Gesellschaft haben wir klar vor Augen. Unser Job ist es weiterhin Teilhabe statt Separation zu fördern.

    Der Schlüssel dazu liegt wie so oft in der Kreativität und der Innovation: Und diese kommen nicht selten genau von den Menschen, die wir bisher in unserer Gesellschaft zu wenig teilhaben lassen. Innovation entsteht, wenn wir in divers zusammengesetzten Teams arbeiten, die aus der Box hinaus denken.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 18. Juli 2024

  • Früh aufstehen lohnt sich

    Ich liebe Sport und bin richtig gerne in Bewegung. Aber manchmal kostet es ein wenig Überwindung, damit loszulegen. Vor allem, wenn der Kurs an einem Dienstagmorgen um 7:15 Uhr startet und ich die Sportart nicht kenne. Gyrokinesis? Noch nie gehört. Was die nötige Motivation gibt, ist ein niederschwelliges Angebot: Keine Anmeldung und man trifft sich im Eulachpark – für mich quasi vor der Haustür. Damit startete letzte Woche das Programm «Active City» in Winterthur. Während der nächsten acht Wochen können sich alle Winterthurerinnen und Winterthurer im Vögelipark, Eulachpark und beim Schulhaus Feld kostenlos in 16 verschiedenen Sportarten versuchen. Boxen, Line Dance, Capoeira, Stockkampf und Pilates; um nur einige davon zu nennen.

    Für mich ging es am Donnerstag dann mit Zumba weiter. Im Rahmen des Eröffnungsapéros der unterdessen vierten «Active City»-Wochen versuchte ich mich so (schon wieder!) in einer neuen Sportart. Eine der Eröffnungsreden hielt Nastaran Toja von «Sportegration». Diese Organisation führt Trainings für Geflüchtete durch mit dem Ziel, sie durch den Sport in der Schweiz zu integrieren. Beim Fussball, Outdoor Fitness oder Volleyball schliessen sie neue Freundschaften und lernen Deutsch. Wer vor ein paar Jahren zum ersten Mal in die Laufgruppe kam, joggt nun in der Leitung und hilft so denen, die heute in einer ähnlichen Lage sind wie sie damals. Im Rahmen von «Active City» organisieren das Sportamt Winterthur und «Sportegration» dieses Jahr erstmals gemeinsame Trainings.

    Ich bin begeistert von der tollen Auswahl und werde die nächsten Wochen den Wecker öfters etwas früher stellen. Die meisten Kurse finden aber sowieso über Mittag oder abends statt. Ich ermutige dieses tolle Angebot zu nutzen und sich in Neuem zu versuchen. Denn wer weiss: Vielleicht findet der oder die andere so ja einen neuen Lieblingssport?


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 30. Mai 2024

  • Vielfalt in Diskussion und Mitsprache

    In meinem neuen Amt als Stadträtin darf ich jede Woche frohe Momente erleben. Letzte Woche habe ich zusammen mit den Kindern der Betreuung Eichliacker einen Spielplatz am Reitplatz eröffnet. Wir haben geturnt und gelacht und anschliessend gab es Osterhasen zum Z’vieri.

    Am gleichen Tag war ich in der Freizeitanlage «Chiesgrueb» und habe rund 80 Einwohnerinnen und Einwohnern das geplante, neue Schulhaus Iberg-Aussenwachten vorgestellt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Ich war begeistert vom Interesse am Schulhausprojekt und der anschliessenden Diskussion.

    Winterthur wächst stetig und ist bei Familien beliebt. Der Raumbedarf für Schule, Betreuung und Sportanlagen wird grösser. Die Stadt und ihre Aussenwachten benötigen dringend Schul- und Betreuungsraum.

    Ein Teil des Bedarfs kann mit Pavillons gedeckt werden. Sie sind eine schnelle Lösung, wenn auch nicht unbedingt günstiger in der Gesamtsicht. Aber: Pavillons haben keine Turnhallen und ihre Lebensdauer ist verglichen mit einem Gebäude kürzer.

    Darum freut es mich, dass in Iberg ein «richtiges» Schulhaus gebaut werden soll – inklusive Turnhalle, Aula und Räumen für die schulergänzende Betreuung.

    Für den Neubau wurde ein offener Projektwettbewerb durchgeführt. Das Siegerprojekt setzte sich gegen 50 weitere Arbeiten durch. Als Mitglied der Jury konnte ich mich in die Diskussion einbringen, genauso wie Personen aus der Bildung und dem Städtebau. Wir haben die verschiedenen Interessen abgewogen und uns einstimmig für ein Projekt in Holzbauweise entschieden.

    Das neue Schulhaus Iberg – Aussenwachten wird mehr als «nur» ein Schulhaus sein. Es soll ein Quartierort werden und mit der Turnhalle einen Ort der Begegnung und Bewegung bilden. Wir haben uns für ein sehr nachhaltiges Projekt entschieden – im finanziellen, ökologisch und sozialen Sinn.

    Das neue Schulhaus wird natürlich nicht von heute auf morgen gebaut. Ein Schulhaus ist ein öffentliches Gebäude, wir investieren als Bevölkerung viel Geld und es ist ein markanter Schritt in der Siedlungsentwicklung von Iberg. Darum ist es wichtig, dass viele Menschen sich in ihrer Vielfalt in die Diskussion einbringen.

    Es war mir ein Anliegen, die Einwohnerinnen und Einwohner von Iberg vorab persönlich über das geplante Schulhaus zu informieren. Und es war eine Freude zu erleben, wie wir im kleinen Rahmen die erste Diskussion zum neuen Schulhaus führten. Jetzt geht der demokratische Prozess weiter in der grossen Runde, bis hin zur Volksabstimmung.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 11. April 2024

  • Auf die Plätze, fertig, los!

    Die Zahl ist beindruckend: 24’000 Winterthurerinnen und Winterthurersind in einem der 111 Sportvereine der Stadt aktiv. Und das ist nur die Spitze des sportlichen Eisbergs. Denn ein noch grösserer Teil der Winterthurer Bevölkerung treibt Sport oder bewegt sich regelmässig ausserhalb eines Vereins. Winterthur ist definitiv eine Sportstadt.

    Die Stadt versteht Sport nicht nur als Wettkampf, sondern als Einladung zu Spiel und Begegnung. Mit dem Projekt «Bewegung im öffentlichen Raum» hat Winterthur vor Jahren eine Pionierrolle übernommen. Die Idee des Sports direkt vor der Haustür und in der ganzen Stadt hat Vorbildcharakter für viele andere Gemeinden.

    Das Winterthurer Bewegungsangebot ist riesig und bietet allen etwas. Ich selber nutze es jeden Tag: joggen im Eulachpark, Lindberg oder Brühlberg, Schwimmen, Pickleball, spazieren, Velofahren auf dem Arbeitsweg oder in der Freizeit mit der Familie.

    Okay, wir haben keinen See. Na und? Die Winterthurerinnen und Winterthurer sind dennoch Wasserratten! Schwimmen gilt als eine der beliebtesten Sportarten. Gut haben wir nebst den Freibädern auch ein Hallenbad und wer weiss, vielleicht auch mal zwei. Sicher ist: Winterthur wird immer sportlicher. Dieses Wachstum ist sehr erfreulich, bringt aber auch die Herausforderung mit sich, dass die Sportanlagen mitwachsen müssen.

    Grossen Wert legt Winterthur darauf, dass Kinder schon früh die Freude an Bewegung und Sport entdecken. Dazu gehört eine bunte und äusserst gut genutzte Auswahl an freiwilligen Schulsportangeboten. Zudem investiert die Stadt jährlich 300’000 Franken in die Förderung des Jugendsports und stellt den Sportvereinen Schulsporthallen zu günstigen Konditionen zur Verfügung.

    Ich bin überzeugt, dass sich diese Investitionen lohnen. Nebst einer nachhaltigen Gesundheitsförderung übernimmt der Sport auch eine wichtige Rolle im sozialen Zusammenhalt und fördert Integration und Inklusion.

    Vielleicht steht das eine oder andere junge Talent bald auf der grossen Sportbühne. Nebst dem Angebot für den Breitensport ist Winterthur zurecht stolz auf seine Spitzenteams und die vielen erfolgreichen Sportlerinnen und -sportler. Am 29. Februar findet die traditionelle, jährliche Sportehrung statt. An diesem Abend werden alle ausgezeichnet, die 2023 an internationalen oder nationalen Meisterschaften eine Medaille gewonnen haben. Zum Schluss wählt das Publikum den Winterthurer Sportler oder die Sportlerin des Jahres.

    Es sind wenige, die Profis werden. Aber es sind viele und es werden immer mehr, die den persönlichen Gewinn von Bewegung und Sport schätzen. In diesem Sinne lädt Winterthur jede und jeden – ganz egal welchen Alters – ein, Teil der lebendigen Sportgemeinschaft zu werden. Freude und Spass sind garantiert.


    Herzlich, Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 22. Februar 2024