Autor: martinablum

  • Heute schon geteilt?

    Teilen Sie gerne? «Kommt darauf an, was», denken Sie jetzt vielleicht. Wie wäre es mit einem E-Bike, weil Sie nicht jeden Tag damit fahren? Oder mit einem Bohrer, weil Sie nur selten ein neues Bild an die Wand hängen? Teilen kann sinnvoll sein. Zum Beispiel, um Kosten zu sparen. Und Teilen schont die Umwelt.

    Wenn ich am Morgen im Superblock ankomme, dann gehe ich nicht mehr an meinen festen Arbeitsplatz im Grossraumbüro. Ich habe keinen mehr. Denn im Departement Schule und Sport teilen wir neuerdings auch die Arbeitsplätze. So bleiben Plätze nicht mehr ungenutzt, wenn wir in Sitzungen sind, und Mitarbeitende, die keinen Platz hatten, haben jetzt einen.

    Mehrfachnutzung bringen wir auch in die Schulen, wenn der Platzbedarf grösser ist, als Räume zur Verfügung stehen. Schule und schulergänzende Betreuung teilen sich dann zum Beispiel Sporthallen, Gruppen-, Werk- und Mehrzweckräume. Eine Frage der gemeinsamen Organisation, der Abmachungen und pädagogischen Haltung.

    Teilen, mieten, reparieren, gebraucht kaufen, weitergeben, beim Neukauf unter anderem auf Reparierbarkeit und Langlebigkeit achten: Das alles ist Kreislaufwirtschaft, die wir brauchen, um die Klimaziele zu erreichen. Die Wohnbevölkerung befürwortet nachhaltige Kreisläufe – aber bis jetzt leider nur theoretisch, wie das Schweizer Umweltpanel gezeigt hat. Die Umsetzung erfordert ein Umdenken und Umgewöhnen.

    Im Stadtrat haben wir mit der neuen Richtlinie für Einkäufe nach ökologischen und sozialen Kriterien einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Nun gilt es diese umzusetzen und die Klimaziele konsequent weiterzuverfolgen. Dafür setze ich mich ein und dafür möchte ich mich auch in Zukunft einsetzen. Danke für Ihre Stimme am 8. März.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 29. Januar 2026

  • Winterthur für alle

    Wann hat Ihnen das letzte Mal ein Hindernis den Weg versperrt? Wann mussten Sie erstmal
    eine Hürde überwinden, einen Umweg in Kauf nehmen oder um Hilfe bitten, um an Ihr Ziel
    zu kommen?

    Falls Ihnen auf Anhieb nichts eingefallen ist: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Schwer zu lesen, oder? Zum
    Glück wohnen wir nicht in dieser Gemeinde in Wales, sondern in Winterthur. Aber auch in
    unserer Stadt gibt es – wie in der ganzen Schweiz – allerhand Hürden: Durchgänge sind zu
    eng, Tasten unerreichbar, Beschriftungen nicht lesbar, Informationen kompliziert,
    Durchsagen nicht zu verstehen. Auch Vorurteile können Hürden sein.

    Am Dienstag war ich in der Stadtbibliothek beim ersten «Apéro Inklusiv». Dort treffen sich
    Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zum Gespräch. Im Zentrum steht die
    Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Alle sollen an unserem Stadtleben
    teilhaben können. Dafür müssen Angebote, Dienstleitungen und Informationen leicht
    erreichbar, einfach zugänglich und verständlich, also inklusiv sein. Sozusagen «Winterthur
    Inklusiv», ein Winterthur, das niemanden ausschliesst. Das ist auch eine Aufgabe der Stadt.

    Als Schul- und Sportvorsteherin beschäftigen mich natürlich besonders die Strukturen, die
    wir für eine inklusive Schule und für inklusiven Sport brauchen. Einerseits setzt sich das
    Sportamt dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigungen passende Sport- und
    Bewegungsangebote finden. Und es hilft Vereinen dabei, diese Angebote zu schaffen.
    Andererseits ist eine Schule für alle unser Ziel: Schüler:innen bekommen die nötige
    Unterstützung und haben das für sie richtige Umfeld möglichst in der Regelschule.

    Winterthur für alle – das bedeutet Vielfalt und effektive Gleichstellung. In verschiedenen
    Bereichen ist schon einiges erreicht, aber in anderen haben wir noch grossen
    Nachholbedarf. Um gegenseitiges Verständnis, passende Bedingungen für alle und Schutz
    vor Diskriminierung zu fördern, hat die Stadt das Programm «Aktionstage für Respekt und
    Vielfalt» ins Leben gerufen. Auch «Apéro Inklusiv» ist Teil davon.

    Als Privatperson kann ich ebenfalls etwas für ein Winterthur für alle tun. Mein Umfeld darauf
    aufmerksam machen, wenn etwas für mich nicht stimmt. Mich hinterfragen, wie ich anderen
    begegne. Mir meine Vorurteile bewusst machen. Mich für Vielfalt starkmachen. Denn
    verschiedene Perspektiven sind wertvoll – vor allem, wenn sie zusammenkommen. So
    lassen sich Hürden überwinden.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 13. November 2025

  • Was mir besonders am Herzen liegt

    Wir alle haben Themen, die uns näher sind als andere. Themen, die uns wirklich am Herzen liegen. Bei mir sind das zum Beispiel: Winterthur als Stadt, in der sich alle wohlfühlen können. Projekte, die nicht nur auf dem Papier stattfinden, sondern Realität werden. Und dass wir Verantwortung übernehmen für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.

    Dann gibt es Themen, die auf den ersten Blick wenig mit uns und unserem Alltag zu tun haben. Weil sie uns nur indirekt zu betreffen scheinen. Weil sie für uns nicht so richtig greifbar sind. Diesen Eindruck können wir vielleicht haben, wenn wir uns die Vorlage der kommenden kantonalen Abstimmung angucken: Am Sonntag gehen wir an die Urne, um über eine Änderung des Zürcher Energiegesetzes zu entscheiden. Doch der Eindruck täuscht, das Thema ist relevant.

    Die Empfehlung des Winterthurer Stadtrats ist ein Ja zur Änderung. Denn das Energiegesetz unterstützt die Klimaziele der Stadt Winterthur; etwa, dass unsere CO 2 -Bilanz schon bis 2040 auf null zu liegen kommt. Es enthält auch eine Pflicht zu mehr Klimafreundlichkeit von Kanton und Gemeinden – zum Beispiel bei Bauprojekten, dem Bau von Solaranlagen oder der Beschaffung von Fahrzeugen.

    Das mag abstrakt klingen. Aber heute und hier heisst das für Winterthur: 44 Schulgebäude haben eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Den Vorplatz des Freibads Wülflingen haben wir für ein angenehmeres Stadtklima entsiegelt. Und ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft finden sich die Fassadenplatten des ehemaligen Schulgebäudes Wallrüti heute an der Fassade des Fotomuseums statt im Müll.

    Das ist Klimafreundlichkeit, die nicht auf dem Papier festhängt, sondern bereits Realität ist. Wie meine Stadtratskollegin Katrin Cometta vor zwei Wochen zum Klimatag schrieb: Jeder Schritt auf dem Weg zu Netto-Null zählt.

    Und es geht noch klimafreundlicher. So haben wir am Sonntag gleich ein weiteres Mal Gelegenheit Ja zu sagen zum Klimaschutz – nämlich Ja zu Sanierung und Ausbau des Schulhauses Langwiesen. Damit wird dringend benötigter Schul- und Bewegungsraum geschaffen. Was mir bei diesem Projekt am Herzen liegt: Wir sanieren die bestehenden Gebäude, nutzen die alte Turnhalle für die stark wachsende Betreuung und bauen eine Dreifachturnhalle, worauf sich auch die Vereine und die Quartierbevölkerung freuen dürfen. Ein rundum nachhaltiges Projekt, das ökologisch, sozial und wirtschaftlich überzeugt.

    Zwei konkrete Schritte am Sonntag: Für das Klima und die Bildung der Kinder und Jugendlichen unserer Stadt. Vielen Dank für Ihre Stimme.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 25. September 2025

  • Gut erholt?

    Sie alle tauchen bald wieder auf: das Winterthurer Stadtparlament, der Stadtrat, die Schulen, auch die Theater. Sie tauchen wieder auf aus der mehrwöchigen Sommerpause.

    Und Sie? Ich hoffe, Sie haben sich gut erholt! Oder Sie sind noch mittendrin. Oder Sie haben die Erholung noch vor sich. Denn Pause machen und abschalten ist wichtig für die Gesundheit. Wir brauchen Erholungszeiten, Abstand zum Alltag. Egal, ob wir erwachsen sind oder zur Schule gehen.

    Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das uns bei der Stadt Winterthur mit Nachdruck beschäftigt. Im neuen Schuljahr werden die Schulen mit ihren jeweiligen Programmen starten: zum Beispiel zum Umgang mit Stress und Belastungen. Probleme erkennen, eigene Grenzen ernst nehmen, wissen, wie man sich selbst und andere schützt: Das ist Lernen fürs Leben. Und dazu zählt auch das Wissen, wozu Pausen gut sind.

    Aber klar: Pause machen ist manchmal gar nicht so einfach. Ich erinnere mich gut an die Zeit, als meine Kinder noch klein waren. Da waren Ferien weit entfernt von süssem Nichtstun. Das waren eher intensive Piratinnen-Abenteuer – für die ich dankbar bin, aber das war eben auch Non-Stop-Betreuung. Und was, wenn die Kinder Ferien haben, die eigenen vier bis fünf Ferienwochen aber nirgends hinreichen? Da waren wir als berufstätige Eltern von Schulkindern immer froh um die Ferienbetreuung der Stadt.

    Es ist schön, in die Ferien zu fahren, Neues zu entdecken. Und ich habe die Auszeit mit meiner Familie – und den inzwischen erwachsenen drei Kindern – in diesem Sommer sehr genossen. Es ist aber auch schön zu Hause. Auch hier können wir Neues erleben, Neues ausprobieren, uns Zeit nehmen für uns und die Familie. Daher freue ich mich auch immer wieder, nach einer Reise zurückzukommen in unsere Stadt.

    Ich freue mich auf die Ferienstimmung in den Badis, auf Spaziergänge im Wald, darauf, auf dem Weg zur Töss, den Leuten bei ihren Tricks auf der neuen Miniramp zuzuschauen. Ich freue mich auf die Vorbereitungen aufs neue Schuljahr und auf die Winterthurer Musikfestwochen. Denn seit gestern steht die Altstadt wieder im Zeichen von internationaler Musik, Kostenlos-Programm, Familien-Spezial, tollem Essen und spannenden Begegnungen. Was mir besonders gefällt: Dass es inzwischen ein klimaneutrales Festival ist, das immer zugänglicher und hindernisfreier für alle wird. Ich hoffe, wir sehen uns (gut erholt) irgendwo zwischen Steinberggasse und Stadtkirche.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 7. August 2025

  • Früher war nicht alles besser

    Früher war alles besser. Der Satz ist mir kürzlich wieder mal begegnet. Echt jetzt? «Früher war vieles anders», dahinter kann ich stehen. Aber besser?

    Wenn mir meine Grossmutter oder meine Mutter von ihrer Schulzeit erzählt haben, dann sprachen sie von grossen Klassen; über 50 Kinder waren keine Seltenheit. Sie erzählten von
    strengen Lehrpersonen und «Schäm-dich» Ecken. Wer Kritik wagte, erhielt mit dem Lineal
    einen Schlag auf die Hände. Als Schulvorsteherin bin ich einfach nur froh, dass Innovation nicht vor der Schule Halt gemacht hat und dass Bildung und Pädagogik jetzt Hand in Hand gehen.

    Heute haben wir eine andere Schule und ein anderes gesellschaftliches Wertesystem. Zu den Aufgaben von damals – Erziehung und Ausbildung – sind weitere gesellschaftliche Anliegen
    gekommen, zu denen auch die Schulen einen wertvollen Beitrag leisten: Inklusion, Klimaschutz und Kinderbetreuung; um nur einige zu nennen. Die Aufgaben und gesellschaftlichen Entwicklungen werden vielfältiger und komplexer. Unsere Ressourcen – sei es finanziell, personell oder ökologisch – regenerieren sich jedoch nicht in gleichem Tempo.

    Und hier kommt Innovation ins Spiel. Einstein hinterliess uns die Erkenntnis, dass wir Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind. Um neue Lösungen zu finden, müssen wir experimentieren und aus Fehlern lernen, Prozesse reflektieren und sie ständig anpassen. Nur so können wir uns weiterentwickeln und als Gesellschaft vorwärtskommen. Wichtig dabei ist: Innovation funktioniert nur im Team. Und es braucht eine offene, vertrauensvolle Umgebung dafür.

    In der Verwaltung, die in ihrem Tagesgeschäft verlässlich, effizient und stabil sein muss, ist es oft eine Gratwanderung, sich bewusst Raum zu nehmen für Veränderung, Kreativität und der damit einhergehenden Unsicherheit. Im Departement Schule und Sport wurde kürzlich auf Eigeninitiative des Teams ein Projekt lanciert, dass die rund 1400 Anmeldungen (pro
    Semester!) zu den gefragten Schulsportkursen mit einem Web-Tool stark vereinfachen wird.
    Das städtische Programm «Smart City» unterstützt die Idee. Genauso wie das Pilot-Projekt der Abteilung Schule und Computer, die gerade eine Lösung prüft, bei der ein langzeiterkrankter Schüler per Avatar von zuhause aus am Unterricht teilnehmen kann. Einfach toll, oder? Ein Hoch auf Innovation und neue Erkenntnisse! Zum Beispiel die Erkenntnis, dass die guten alten Zeiten nicht in jeder Hinsicht besser waren.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 5. Juni 2025

  • Vom Suchen und Finden

    Was denken Sie, worauf es wohl eher ankommt: Das Osternäschtli zu suchen oder das Osternäschtli zu finden? Vielleicht eine Typfrage. Wenn ich mich an meine Kinder erinnere, würde ich sagen: Für sie war es die Suche. Diesen Gedanken verstecken wir vorerst, zum Beispiel im Haselstrauch und machen einen (Hasen-) Sprung zu einem anderen Thema.

    Als Vorsteherin des Schul- und Sportdepartements und Präsidentin der Winterthurer Schulpflege war ich kürzlich auf einer Bildungskonferenz – einer Konferenz mit grossen Fragen. Was ist eine gute Schule? Wird Unterricht für viele den Einzelnen gerecht? Was ist mit jenen, die sich herausfordernd verhalten? Kleine oder grosse Klassen? Was sollten Kinder in der Schule lernen? Noten – ja oder nein? Eine Schule für alle und eine Schule für die Zukunft – aber wie?

    Diese Fragen haben Sie sicher auch schon gehört. Sie sind nicht neu. Aber die Antworten, die mal richtig waren, sind es eben nicht mehr unbedingt. Das ist einer der Momente, die ich besonders mag. Fragen sind die Chance auf Veränderung. Veränderung fängt mit einer Frage an und entwickelt sich während der Suche nach Lösungsansätzen. So kommt Chancengleichheit in unser System und so gestaltet die Stadt Winterthur nachhaltige Betreuungs- und Bildungsangebote für alle.

    Nicht, dass es dafür eindeutige Antworten und Wege gäbe. Wem der Themensprung zu gross war und wer inzwischen in der Regenrinne nach dem Osternäschtli sucht: Das Suchen will auch ausgehalten werden, mit Neugier, Offenheit und hoher Frustrationstoleranz. Jahrelang an einem Problem zu forschen beispielsweise, ist das eine. Aber das andere ist es, wenn die Lesebrille einfach nicht auffindbar ist. Dann sieht es mit der Geduld gleich anders aus.

    Und ebenfalls entscheidend: Ein Kind, das ein Erfolgserlebnis hat, also mal das Osternäschtli findet, ist auch für die Suche viel motivierter. Daher kehren wir nun zu unserem Haselstrauch zurück, zum versteckten Osternäschtli – sofern es noch da ist und sich nicht der Hund darüber hergemacht hat. Denn manche finden ja auch etwas, nach dem sie gar nicht gesucht hatten.

    Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage, ein gutes Suchen und Finden! Vielleicht auch neuer Wege?


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 17. April 2025

  • Nachhaltig beeindruckt

    Diesen Montag durfte ich als Schulvorsteherin bei einem ganz besonderen «Spatenstich» dabei sein. Nein, es ging nicht um den Spatenstich für ein neues Schulhaus – das hätte mich natürlich auch gefreut. Die Spaten hielten dieses Mal Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern in den Händen und sie haben mit ihrer Aktion den Start zu einem blühenden und nachhaltigen Projekt markiert.

    Die Klasse 5./6a des Schulhauses Schachen konnte am Montag zusammen mit ihren beiden Lehrpersonen den 1. Jury-Preis des nationalen Schulwettbewerbs «Ran an den Spaten» für ihr Schulgartenprojekt entgegennehmen. Die Schülerinnen und Schüler haben recherchiert, Interviews geführt und dann ihre Vision eingereicht, die jetzt preisgekrönt wurde. Beim Schulhaus Schachen werden künftig rund 30 verschiedene Gemüsekulturen und Pflanzenarten spriessen, natürlich biologisch. Und: Ein Teil des Schulunterrichts wird in den kommenden Jahren beim und rund um den neuen Schulgarten stattfinden. Begleitet wird das Projekt von Acker Schweiz mit dem treffenden Slogan «Wo Begeisterung wächst».

    Ich kann nur sagen: Wow! Und herzliche Gratulation. Als Stadträtin des Departementes Schule und Sport bin ich unter anderem für die Bildung der Kinder und Jugendlichen in Winterthur zuständig. Bildung ist wichtig. Und ja, dazu gehören Mathe und Sprachen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, dass eben auch andere Themen zur Bildung eines Menschen gehören. Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie, Biodiversität, gesunde Ernährung und soziale Kompetenzen im weitesten Sinne.

    Das Schulgartenprojekt Schachen passt perfekt zur Nachhaltigkeits-Initiative, die wir im Departement Schule und Sport gestartet haben. Der Fokus liegt dabei auf drei Querschnittsthemen: ökologische, soziale und finanzielle Nachhaltigkeit. Wir sammeln Projekte sowie neue Ideen und Visionen – siehe Schulgarten Schachen –, um davon zu lernen und bewährte Praktiken zu multiplizieren.

    Apropos Spatenstich: Haben Sie gewusst, dass in einer Schaufel (biologischer) Erde weit über 100’000 Lebewesen und Organismen stecken? Der Boden unter unseren Füssen lebt! Und übrigens tönt er auch. Bodentiere machen Geräusche, wenn sie sich bewegen, fressen oder kommunizieren. Glauben Sie nicht? Dann hören Sie mal, wie der Boden eines Buchenwaldes auf dem Irchel tönt oder ein Komposthaufen in Winterthur: soundingsoil.ch.

    In diesem Sinne: Bleiben wir geerdet und mit beiden Füssen fest auf dem Boden.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 6. März 2025

  • Das Jahr der Kamele ist vorbei

    Haben Sie es gewusst? Oder sogar irgendwie gespürt? 2024 war das internationale Jahr der Kamele. Die Vereinten Nationen zeichnen jedes einzelne Jahr mit einem speziellen, thematischen Etikett aus. Nicht immer ist der Sinn dahinter für alle auf der Welt erkennbar. Sind wir ehrlich: Kamele kennen wir hierzulande eigentlich nur vom Kinderzoo in Rapperswil oder der Arena des Zirkus Knie. Aber die UNO macht sich schon mehr Gedanken, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Das Kamel ist eines der widerstandsfähigsten Tiere und für einige Länder und Völker das Transportmittel schlecht hin. Es benötigt kein Benzin, kommt in der Wüste tagelang ohne Wasser aus und mühelos durch den Sand. Gerade in den Zeiten des Klimawandels ist ihre Bedeutung daher nicht hoch genug zu schätzen.

    Aber 2024 ist Vergangenheit. Vor ein paar Tagen haben wir das Jahr 2025 begrüsst. Die UNO auch. Und zwar mit dem Etikett «Internationales Jahr der Quantenphysik und der Quantentechnologie». Dann lieber Kamele, mögen die einen denken. Aber die Quantenhypothese von Max Planck war zu Beginn des 19. Jahrhunderts wichtig, weil die klassische Physik damals bei der Beschreibung von Licht an ihre Grenzen stiess. Die Quantenmechanik legte den Grundstein für Erfindungen wie die heutige Lasertechnik, Computerchips und Solarzellen. Es war ein Quantensprung. Und «Quantensprünge» erlebt die Menschheit immer wieder mal. Die letzten waren wohl das World Wide Web, also das Internet und jetzt auch die künstliche Intelligenz.

    Local first: Man kann sich die Frage stellen, ob es Sinn machen würde, wenn der Stadtrat von Winterthur parallel zu den internationalen Jahren auch kommunale Themenjahre küren würde. Wie die für 2025 wohl heissen würden? Ich überlasse das entsprechende Mutmassen der Winterthurer Bevölkerung. Die Gedanken sind frei.

    Als Vorsteherin des Departementes Schule und Sport hätte ich aber ganz konkrete Vorschläge für die Jahre 2025, 2026, 2027… Jahr der Bildung, Jahr der Bildungs-Chancengerechtigkeit, Jahr der Inklusion, Jahr der schulergänzenden Betreuung, Jahr des Vereinssports, Jahr des Schulsports, Jahr der Bewegung und Begegnung im öffentlichen Raum. Es gäbe noch viele mehr…

    Als ob die UNO geahnt hätte, dass das mit der Quantenphysik doch etwas schwierig sein wird, hat sie für 2025 ein zweites Thema lanciert: «Jahr der Erhaltung der Gletscher». Da sind wir in der Schweiz schon näher dran. Der Fokus ist klar: Das grosse Gletscherschmelzen und die Auswirkungen der Klimaerwärmung.

    Aber vielleicht würde es uns allen guttun, wenn wir dem frischen Jahr 2025 ein ganz persönliches, individuelles Motto geben würden. Zum Beispiel 2025, mein Jahr der Freundschaftspflege, der Fitness, des Lernens, der Nachhaltigkeit, der Offenheit für Neues, des Staunens und der Neugier…

    Wie auch immer. Ich wünsche ein gutes, erfülltes neues Jahr! Vielleicht ja mit ein paar persönlichen Quantensprüngen.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    P.S. 2026 ist das internationale Jahr der Freiwilligen im Dienste der nachhaltigen Entwicklung.


    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 9. Januar 2025

  • Unsere Sportvereine – sie bewegen Winterthur

    Keine zwei Wochen mehr, und schon fällt wieder der Startschuss zum Hegemer-Chlauslauf. Der Event rund ums Schloss Hegi ist ein sportliches Highlight; und auch dieses Jahr freue ich mich sehr darauf. Dass er überhaupt stattfinden kann, geht auf viel freiwilliges Engagement seitens des TV Hegi zurück, einem von über 200 Sportvereinen in Winterthur. Was sie für unsere Stadt leisten, könnte eine eigene Kolumne füllen: Gesundheitsförderung, soziale Integration, Gemeinschaftssinn, Jugendarbeit, Wertevermittlung, Inklusion … Sportvereine sind ein unersetzlicher Teil unserer Gesellschaft, und es gilt allen herzlich zu danken, die sich dafür engagieren.

    Gerade weil diese Vereine so wichtig sind, unterstützt die Stadt sie jährlich mit 300’000 Franken und stellt ihnen die Sportanlagen zu einem vergünstigten Preis zur Verfügung – den unter 20-Jährigen sogar umsonst. Gut drei Viertel der Vereine nutzen dieses Angebot. Jeder von ihnen ist im Schnitt 17 Stunden pro Woche auf öffentlichen Anlagen und Schulsportanlagen. Ausserdem hilft die Stadt den Vereinen, neue Mitglieder zu gewinnen, sich untereinander zu vernetzen und bei der Kommunikation.

    Die aktuellen Herausforderungen lassen auch die Sportvereine nicht unberührt. Die rasch wachsende Anzahl Schülerinnen und Schüler und die fehlende Infrastruktur betreffen alle. Doch Stadt und Vereine haben die gleiche Mission – wir bewegen Winterthur. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass wir unseren Vereinen weiterhin so viel bieten können. Dafür stehen wir etwa im engen Austausch mit den Vereinen um die Sportanlagen optimal auszunutzen.

    Ein weiteres Anliegen ist mir die Frauenförderung. Verglichen mit dem Schweizer Durchschnitt sind Frauen in den Winterthurer Vereinen mit 41 Prozent zwar schon gut vertreten, aber wir arbeiten daran, hier auf 50 Prozent zu kommen. Denn es ist nicht so, als würden in Winterthur Frauen grundsätzlich weniger Sport treiben als Männer. Im Gegenteil, Frauen treiben mehr Sport, nur in den Vereinen – und dort insbesondere den Führungsgremien – sind sie untervertreten. Um die Positionierung der Frauen in Sport und Beruf zu stärken, bin ich Mitglied bei Sportif; einem Netzwerk für Frauen und Sportlerinnen, mit dem Ziel, Frauensport sichtbarer zu machen und gleiche Löhne, Trainingsbedingungen und Ressourcen unabhängig vom Geschlecht zu schaffen. Denn mein Wunsch ist es, dass in Winterthur auch in Zukunft möglichst alle Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Seniorinnen und Senioren Längen schwimmen, Tore schiessen, über Felder rennen oder die Yogamatte ausrollen.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 7. November 2024

  • Bezahlbare Betreuung für alle

    Eltern von Kindern im Primarschulalter haben es nicht leicht. Schon gar nicht, wenn sie berufstätig sind. Mit drei Kindern und einem Pensum von je 80 Prozent hätten mein Mann und ich das ohne Unterstützung schlichtweg nicht gepackt. Wir waren unendlich froh, bot die Stadt Betreuungsangebote wie den Mittagstisch oder die Nachmittags- und Ferienbetreuung.

    Vielen Müttern und Vätern in Winterthur scheint es ähnlich zu gehen. Über 4300 Kinder – fast die Hälfte aller Kindergarten- und Primarschulkinder – besuchen die schulergänzende Betreuung. 600 Betreuungsangestellte setzen sich täglich leidenschaftlich dafür ein, dass alle Kinder gut versorgt werden. Die Nachfrage nach diesem Angebot hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und es werden stetig mehr. Die Stadt Winterthur investiert jährlich rund 20 Millionen Franken in die Betreuung. Damit übernimmt sie ca. zwei Drittel der Kosten, nur rund ein Drittel müssen durch Elternbeiträge gedeckt werden.

    Ausserfamiliäre Betreuung stärkt unsere Gesellschaft. Zum einen ermöglicht sie Eltern – insbesondere Frauen – bessere Bedingungen für eine stärkere Beteiligung am Erwerbsleben. Sie hat damit einen hohen wirtschaftlichen Nutzen und ist unerlässlich für die Gleichstellung der Geschlechter. Ausserdem fördert sie die Chancengleichheit der Kinder. Das gilt allerdings nur, wenn sich alle Eltern – unabhängig vom Einkommen – die Betreuung leisten können. Deshalb sind die Elternbeiträge vom Haushaltseinkommen abhängig. Rund 30% der Kinder haben zudem einen voll subventionierten Platz.

    Und genau an diesem Punkt stehen wir vor einer Herausforderung. Denn die Kosten für die Betreuung steigen. Das liegt nicht nur an der erhöhten Nachfrage sondern auch daran, dass die Löhne den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Ausserdem steigen Qualität und Professionalisierung. Das ist richtig so, doch Weiterbildung kostet.

    Um diese Kosten zu decken und die Elternbeiträge möglichst tief zu halten, sollte sich an der schulergänzenden Betreuung auch der Kanton beteiligen. Gute Betreuung darf nicht nur Aufgabe von Eltern und Gemeinde sein. Der Kanton Zürich ist einer von wenigen Kantonen, der die Gemeinden in diesem Bereich nicht unterstützt. So zahlt etwa der Kanton St. Gallen seinen Gemeinden jährlich insgesamt zehn Millionen Franken für die familien- und schulergänzende Betreuung. Der Kanton Bern übernimmt 35 Prozent der Kosten des Tagesschulangebots.

    Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und die Kosten für diese wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe gemeinsam zu tragen. Dafür setze ich mich ein.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 19. September 2024