Martina Blum © Rachel Engeli/FOTIFABRIK
Martina Blum © Rachel Engeli/FOTIFABRIK

Autor: martinablum

  • Danke für die vielen Regenbogen-Momente

    Am nächsten Mittwoch beginnt für den Winterthurer Stadtrat die neue Legislatur – samt neuem Stadtpräsidenten, neuen Stadtratsmitgliedern und teilweise neu verteilten Departementen. Das hier ist mein letztes «Persönlich» als Schul- und Sportvorsteherin.

    Ich verlasse das Departement und die Schulpflege reich an Erfahrungen und tief beeindruckt. Ich habe mit so vielen Teams zusammengearbeitet, die Unglaubliches leisten: Mitarbeitende im Departement und in den Schulen, Engagierte im Schul- und Sportbereich, Partner:innen, die wir für innovative Lösungen gewinnen konnten.

    Mit ihnen Erfolge zu teilen und uns gemeinsam für die Menschen in unserer Stadt einzusetzen, war für mich bedeutsam. Die passende Kinderzeichnung dazu habe ich bereits nach wenigen Wochen im Amt erhalten: Einen farbenfrohen Regenbogen, darunter eine grüne Wiese, darüber eine strahlende Sonne und daneben einige Regentropfen. Die lachende Sonne und die Wiese finden sich aktuell beim neuen Kleinkinderbereich im Geisi. Oder bei Active City im Eulach- und Lindengutpark, wo Menschen sich gemeinsam bewegen und neue Sportarten ausprobieren. Die Regentropfen symbolisieren dann eher die Seite, wo wir für alle das Bestmögliche wollen, wir aber an Grenzen stossen. Auch wenn es im Einzelfall Enttäuschung bedeuten kann: Gelder müssen dorthin fliessen, wo sie am wirksamsten sind.

    Was ich mitnehme, das sind ganz besonders die Begegnungen mit den Schüler:innen, Sportler:innen und die lehrreiche Zusammenarbeit mit Menschen, die verschiedenste Hintergründe und Lebenserfahrungen einbringen. Mit all dem im Rucksack freue ich mich, meine Arbeit als Stadträtin fortzusetzen und mich ab dem 1. Juli im Departement Technische Betriebe weiter für Vielfalt, Klimaschutz und umweltfreundliche Dienstleistungen einzusetzen.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 25. Juni 2026

  • Heraus auch zum 29. Mai!

    Der 29. Mai wird ein besonderer Tag in Winterthur. Am letzten Freitag des Monats ist nämlich europaweit – und inzwischen auch darüber hinaus – Tag der Nachbarschaft. Neben Winterthur rufen mehr als 1000 Städte und Gemeinden dazu auf, sich im Quartier zu treffen und kennenzulernen, einen Anlass für Nachbar:innen zu organisieren oder eine kleine Aufmerksamkeit zu schenken. Der Tag ist die Gelegenheit, den Wert des Miteinanders und der Solidarität hochzuhalten.

    Tür an Tür, Strasse an Strasse wohnen wir – ohne es vielleicht zu ahnen – neben Menschen, für die ein Schwatz den Tag verändert, neben Menschen mit Geschichten, die uns neue Ansichten bringen. Nachbarschaft muss keine aktive Gemeinschaft sein. Schon ein freundlicher Umgang kann dafür sorgen, dass wir uns im Quartier wohl und weniger einsam fühlen und wir um Unterstützung bitten, wenn es die Situation mal erfordert

    Am 29. Mai kommen in Winterthur aber nicht nur Menschen im Quartier zusammen, sondern auch 2800 Schüler:innen aus den verschiedensten Kantonen. Rund um dem Sportpark Deutweg. Wieso? Winterthur ist Gastgeberstadt des 55. Schweizerischen Schulsporttags. Die Sportämter der Stadt und des Kantons richten den Sporttag für die Schulteams aus der ganzen Schweiz aus. Er steht ganz im Zeichen von Wettkampf, Zusammenkommen und Teamgeist – und von freiwilligem Einsatz. Zahlreichende Helfende aus Winterthur stemmen diesen Tag: Mitarbeitende der Stadt, Lehrpersonen, Schulklassen und Privatpersonen

    Dieses Mit- und Füreinander im Quartier oder an einer Schulveranstaltung ermöglicht Begegnungen, die es sonst nicht geben würde. Wir kommen zusammen und erleben Vielfalt und sozialen Zusammenhalt. Setzen wir am 29. Mai gemeinsam ein Zeichen für ein offenes und solidarisches Miteinander.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 7. Mai 2026

  • Sehen wir uns zum Jubiläum auf der Schützi?

    In zehn Tagen stehen sich YB und Servette auf der Schützenwiese gegenüber: Am 29. März wird bei uns der Cupfinal der Frauen ausgetragen. Die letzten fünf Male fand der Final auf Zürcher Boden statt – und kommt nun zu seinem 50. Jubiläum zu uns.

    Die Schützi ist Kult: Sie hat Tradition, den Salon Erika, die Sirupkurve und eine Fussballkultur, die für Offenheit, Inklusion und Familiensinn steht.

    Die Heim-EM im letzten Jahr hat dem Frauenfussball einen ordentlichen Schub gegeben. Die Stadt bot kostenlose Trainings für Juniorinnen an. Das Angebot kam so gut an, dass wir es nun im freiwilligen Schulsport weiterführen. Und in den Winterthurer Fussballvereinen sind zu den 15 Juniorinnenteams seither fünf weitere Teams dazugekommen. Das Interesse zeigt: Fussball ist kein reiner Männersport (mehr).

    Doch für «Equal Play», also chancengerechten Sport, ist mehr nötig. Aktuell fordert ein Postulat ausgeglichenere Verteilung der Ressourcen, v. a. im Fussball. Eine faire Sportförderung ist mir ein grosses Anliegen. Das Sportamt setzt sich z. B. dafür ein, dass auf Fussballfeldern effizienter trainiert und deren Bespielbarkeit erhöht wird. Lauftraining beispielsweise kann neben dem Feld stattfinden. Und vermehrt werden auch Kunstrasenfelder bereitgestellt. Von einer besseren Ausnutzung profitieren letztlich alle. Voraussichtlich im September stimmt Winterthur über ein neues Betriebs- und Garderobengebäude auf der Schützi ab. Damit hätte das Frauenteam des FCW künftig eine feste Garderobe. Auch das ist wichtig für «Equal Play».

    Ich freue mich über jeden Schritt, mit dem Sport zugänglicher für alle wird. Dazu gehört auch, dass der Cupfinal der Frauen eine richtige Bühne hat. Es macht mich stolz, dass die Schützi in diesem Jahr diese Bühne sein darf.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 19. März 2026

  • Heute schon geteilt?

    Teilen Sie gerne? «Kommt darauf an, was», denken Sie jetzt vielleicht. Wie wäre es mit einem E-Bike, weil Sie nicht jeden Tag damit fahren? Oder mit einem Bohrer, weil Sie nur selten ein neues Bild an die Wand hängen? Teilen kann sinnvoll sein. Zum Beispiel, um Kosten zu sparen. Und Teilen schont die Umwelt.

    Wenn ich am Morgen im Superblock ankomme, dann gehe ich nicht mehr an meinen festen Arbeitsplatz im Grossraumbüro. Ich habe keinen mehr. Denn im Departement Schule und Sport teilen wir neuerdings auch die Arbeitsplätze. So bleiben Plätze nicht mehr ungenutzt, wenn wir in Sitzungen sind, und Mitarbeitende, die keinen Platz hatten, haben jetzt einen.

    Mehrfachnutzung bringen wir auch in die Schulen, wenn der Platzbedarf grösser ist, als Räume zur Verfügung stehen. Schule und schulergänzende Betreuung teilen sich dann zum Beispiel Sporthallen, Gruppen-, Werk- und Mehrzweckräume. Eine Frage der gemeinsamen Organisation, der Abmachungen und pädagogischen Haltung.

    Teilen, mieten, reparieren, gebraucht kaufen, weitergeben, beim Neukauf unter anderem auf Reparierbarkeit und Langlebigkeit achten: Das alles ist Kreislaufwirtschaft, die wir brauchen, um die Klimaziele zu erreichen. Die Wohnbevölkerung befürwortet nachhaltige Kreisläufe – aber bis jetzt leider nur theoretisch, wie das Schweizer Umweltpanel gezeigt hat. Die Umsetzung erfordert ein Umdenken und Umgewöhnen.

    Im Stadtrat haben wir mit der neuen Richtlinie für Einkäufe nach ökologischen und sozialen Kriterien einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Nun gilt es diese umzusetzen und die Klimaziele konsequent weiterzuverfolgen. Dafür setze ich mich ein und dafür möchte ich mich auch in Zukunft einsetzen. Danke für Ihre Stimme am 8. März.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 29. Januar 2026

  • Winterthur für alle

    Wann hat Ihnen das letzte Mal ein Hindernis den Weg versperrt? Wann mussten Sie erstmal
    eine Hürde überwinden, einen Umweg in Kauf nehmen oder um Hilfe bitten, um an Ihr Ziel
    zu kommen?

    Falls Ihnen auf Anhieb nichts eingefallen ist: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Schwer zu lesen, oder? Zum
    Glück wohnen wir nicht in dieser Gemeinde in Wales, sondern in Winterthur. Aber auch in
    unserer Stadt gibt es – wie in der ganzen Schweiz – allerhand Hürden: Durchgänge sind zu
    eng, Tasten unerreichbar, Beschriftungen nicht lesbar, Informationen kompliziert,
    Durchsagen nicht zu verstehen. Auch Vorurteile können Hürden sein.

    Am Dienstag war ich in der Stadtbibliothek beim ersten «Apéro Inklusiv». Dort treffen sich
    Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zum Gespräch. Im Zentrum steht die
    Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Alle sollen an unserem Stadtleben
    teilhaben können. Dafür müssen Angebote, Dienstleitungen und Informationen leicht
    erreichbar, einfach zugänglich und verständlich, also inklusiv sein. Sozusagen «Winterthur
    Inklusiv», ein Winterthur, das niemanden ausschliesst. Das ist auch eine Aufgabe der Stadt.

    Als Schul- und Sportvorsteherin beschäftigen mich natürlich besonders die Strukturen, die
    wir für eine inklusive Schule und für inklusiven Sport brauchen. Einerseits setzt sich das
    Sportamt dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigungen passende Sport- und
    Bewegungsangebote finden. Und es hilft Vereinen dabei, diese Angebote zu schaffen.
    Andererseits ist eine Schule für alle unser Ziel: Schüler:innen bekommen die nötige
    Unterstützung und haben das für sie richtige Umfeld möglichst in der Regelschule.

    Winterthur für alle – das bedeutet Vielfalt und effektive Gleichstellung. In verschiedenen
    Bereichen ist schon einiges erreicht, aber in anderen haben wir noch grossen
    Nachholbedarf. Um gegenseitiges Verständnis, passende Bedingungen für alle und Schutz
    vor Diskriminierung zu fördern, hat die Stadt das Programm «Aktionstage für Respekt und
    Vielfalt» ins Leben gerufen. Auch «Apéro Inklusiv» ist Teil davon.

    Als Privatperson kann ich ebenfalls etwas für ein Winterthur für alle tun. Mein Umfeld darauf
    aufmerksam machen, wenn etwas für mich nicht stimmt. Mich hinterfragen, wie ich anderen
    begegne. Mir meine Vorurteile bewusst machen. Mich für Vielfalt starkmachen. Denn
    verschiedene Perspektiven sind wertvoll – vor allem, wenn sie zusammenkommen. So
    lassen sich Hürden überwinden.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 13. November 2025

  • Was mir besonders am Herzen liegt

    Wir alle haben Themen, die uns näher sind als andere. Themen, die uns wirklich am Herzen liegen. Bei mir sind das zum Beispiel: Winterthur als Stadt, in der sich alle wohlfühlen können. Projekte, die nicht nur auf dem Papier stattfinden, sondern Realität werden. Und dass wir Verantwortung übernehmen für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.

    Dann gibt es Themen, die auf den ersten Blick wenig mit uns und unserem Alltag zu tun haben. Weil sie uns nur indirekt zu betreffen scheinen. Weil sie für uns nicht so richtig greifbar sind. Diesen Eindruck können wir vielleicht haben, wenn wir uns die Vorlage der kommenden kantonalen Abstimmung angucken: Am Sonntag gehen wir an die Urne, um über eine Änderung des Zürcher Energiegesetzes zu entscheiden. Doch der Eindruck täuscht, das Thema ist relevant.

    Die Empfehlung des Winterthurer Stadtrats ist ein Ja zur Änderung. Denn das Energiegesetz unterstützt die Klimaziele der Stadt Winterthur; etwa, dass unsere CO 2 -Bilanz schon bis 2040 auf null zu liegen kommt. Es enthält auch eine Pflicht zu mehr Klimafreundlichkeit von Kanton und Gemeinden – zum Beispiel bei Bauprojekten, dem Bau von Solaranlagen oder der Beschaffung von Fahrzeugen.

    Das mag abstrakt klingen. Aber heute und hier heisst das für Winterthur: 44 Schulgebäude haben eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Den Vorplatz des Freibads Wülflingen haben wir für ein angenehmeres Stadtklima entsiegelt. Und ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft finden sich die Fassadenplatten des ehemaligen Schulgebäudes Wallrüti heute an der Fassade des Fotomuseums statt im Müll.

    Das ist Klimafreundlichkeit, die nicht auf dem Papier festhängt, sondern bereits Realität ist. Wie meine Stadtratskollegin Katrin Cometta vor zwei Wochen zum Klimatag schrieb: Jeder Schritt auf dem Weg zu Netto-Null zählt.

    Und es geht noch klimafreundlicher. So haben wir am Sonntag gleich ein weiteres Mal Gelegenheit Ja zu sagen zum Klimaschutz – nämlich Ja zu Sanierung und Ausbau des Schulhauses Langwiesen. Damit wird dringend benötigter Schul- und Bewegungsraum geschaffen. Was mir bei diesem Projekt am Herzen liegt: Wir sanieren die bestehenden Gebäude, nutzen die alte Turnhalle für die stark wachsende Betreuung und bauen eine Dreifachturnhalle, worauf sich auch die Vereine und die Quartierbevölkerung freuen dürfen. Ein rundum nachhaltiges Projekt, das ökologisch, sozial und wirtschaftlich überzeugt.

    Zwei konkrete Schritte am Sonntag: Für das Klima und die Bildung der Kinder und Jugendlichen unserer Stadt. Vielen Dank für Ihre Stimme.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 25. September 2025

  • Gut erholt?

    Sie alle tauchen bald wieder auf: das Winterthurer Stadtparlament, der Stadtrat, die Schulen, auch die Theater. Sie tauchen wieder auf aus der mehrwöchigen Sommerpause.

    Und Sie? Ich hoffe, Sie haben sich gut erholt! Oder Sie sind noch mittendrin. Oder Sie haben die Erholung noch vor sich. Denn Pause machen und abschalten ist wichtig für die Gesundheit. Wir brauchen Erholungszeiten, Abstand zum Alltag. Egal, ob wir erwachsen sind oder zur Schule gehen.

    Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das uns bei der Stadt Winterthur mit Nachdruck beschäftigt. Im neuen Schuljahr werden die Schulen mit ihren jeweiligen Programmen starten: zum Beispiel zum Umgang mit Stress und Belastungen. Probleme erkennen, eigene Grenzen ernst nehmen, wissen, wie man sich selbst und andere schützt: Das ist Lernen fürs Leben. Und dazu zählt auch das Wissen, wozu Pausen gut sind.

    Aber klar: Pause machen ist manchmal gar nicht so einfach. Ich erinnere mich gut an die Zeit, als meine Kinder noch klein waren. Da waren Ferien weit entfernt von süssem Nichtstun. Das waren eher intensive Piratinnen-Abenteuer – für die ich dankbar bin, aber das war eben auch Non-Stop-Betreuung. Und was, wenn die Kinder Ferien haben, die eigenen vier bis fünf Ferienwochen aber nirgends hinreichen? Da waren wir als berufstätige Eltern von Schulkindern immer froh um die Ferienbetreuung der Stadt.

    Es ist schön, in die Ferien zu fahren, Neues zu entdecken. Und ich habe die Auszeit mit meiner Familie – und den inzwischen erwachsenen drei Kindern – in diesem Sommer sehr genossen. Es ist aber auch schön zu Hause. Auch hier können wir Neues erleben, Neues ausprobieren, uns Zeit nehmen für uns und die Familie. Daher freue ich mich auch immer wieder, nach einer Reise zurückzukommen in unsere Stadt.

    Ich freue mich auf die Ferienstimmung in den Badis, auf Spaziergänge im Wald, darauf, auf dem Weg zur Töss, den Leuten bei ihren Tricks auf der neuen Miniramp zuzuschauen. Ich freue mich auf die Vorbereitungen aufs neue Schuljahr und auf die Winterthurer Musikfestwochen. Denn seit gestern steht die Altstadt wieder im Zeichen von internationaler Musik, Kostenlos-Programm, Familien-Spezial, tollem Essen und spannenden Begegnungen. Was mir besonders gefällt: Dass es inzwischen ein klimaneutrales Festival ist, das immer zugänglicher und hindernisfreier für alle wird. Ich hoffe, wir sehen uns (gut erholt) irgendwo zwischen Steinberggasse und Stadtkirche.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 7. August 2025

  • Früher war nicht alles besser

    Früher war alles besser. Der Satz ist mir kürzlich wieder mal begegnet. Echt jetzt? «Früher war vieles anders», dahinter kann ich stehen. Aber besser?

    Wenn mir meine Grossmutter oder meine Mutter von ihrer Schulzeit erzählt haben, dann sprachen sie von grossen Klassen; über 50 Kinder waren keine Seltenheit. Sie erzählten von
    strengen Lehrpersonen und «Schäm-dich» Ecken. Wer Kritik wagte, erhielt mit dem Lineal
    einen Schlag auf die Hände. Als Schulvorsteherin bin ich einfach nur froh, dass Innovation nicht vor der Schule Halt gemacht hat und dass Bildung und Pädagogik jetzt Hand in Hand gehen.

    Heute haben wir eine andere Schule und ein anderes gesellschaftliches Wertesystem. Zu den Aufgaben von damals – Erziehung und Ausbildung – sind weitere gesellschaftliche Anliegen
    gekommen, zu denen auch die Schulen einen wertvollen Beitrag leisten: Inklusion, Klimaschutz und Kinderbetreuung; um nur einige zu nennen. Die Aufgaben und gesellschaftlichen Entwicklungen werden vielfältiger und komplexer. Unsere Ressourcen – sei es finanziell, personell oder ökologisch – regenerieren sich jedoch nicht in gleichem Tempo.

    Und hier kommt Innovation ins Spiel. Einstein hinterliess uns die Erkenntnis, dass wir Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen können, durch die sie entstanden sind. Um neue Lösungen zu finden, müssen wir experimentieren und aus Fehlern lernen, Prozesse reflektieren und sie ständig anpassen. Nur so können wir uns weiterentwickeln und als Gesellschaft vorwärtskommen. Wichtig dabei ist: Innovation funktioniert nur im Team. Und es braucht eine offene, vertrauensvolle Umgebung dafür.

    In der Verwaltung, die in ihrem Tagesgeschäft verlässlich, effizient und stabil sein muss, ist es oft eine Gratwanderung, sich bewusst Raum zu nehmen für Veränderung, Kreativität und der damit einhergehenden Unsicherheit. Im Departement Schule und Sport wurde kürzlich auf Eigeninitiative des Teams ein Projekt lanciert, dass die rund 1400 Anmeldungen (pro
    Semester!) zu den gefragten Schulsportkursen mit einem Web-Tool stark vereinfachen wird.
    Das städtische Programm «Smart City» unterstützt die Idee. Genauso wie das Pilot-Projekt der Abteilung Schule und Computer, die gerade eine Lösung prüft, bei der ein langzeiterkrankter Schüler per Avatar von zuhause aus am Unterricht teilnehmen kann. Einfach toll, oder? Ein Hoch auf Innovation und neue Erkenntnisse! Zum Beispiel die Erkenntnis, dass die guten alten Zeiten nicht in jeder Hinsicht besser waren.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 5. Juni 2025

  • Vom Suchen und Finden

    Was denken Sie, worauf es wohl eher ankommt: Das Osternäschtli zu suchen oder das Osternäschtli zu finden? Vielleicht eine Typfrage. Wenn ich mich an meine Kinder erinnere, würde ich sagen: Für sie war es die Suche. Diesen Gedanken verstecken wir vorerst, zum Beispiel im Haselstrauch und machen einen (Hasen-) Sprung zu einem anderen Thema.

    Als Vorsteherin des Schul- und Sportdepartements und Präsidentin der Winterthurer Schulpflege war ich kürzlich auf einer Bildungskonferenz – einer Konferenz mit grossen Fragen. Was ist eine gute Schule? Wird Unterricht für viele den Einzelnen gerecht? Was ist mit jenen, die sich herausfordernd verhalten? Kleine oder grosse Klassen? Was sollten Kinder in der Schule lernen? Noten – ja oder nein? Eine Schule für alle und eine Schule für die Zukunft – aber wie?

    Diese Fragen haben Sie sicher auch schon gehört. Sie sind nicht neu. Aber die Antworten, die mal richtig waren, sind es eben nicht mehr unbedingt. Das ist einer der Momente, die ich besonders mag. Fragen sind die Chance auf Veränderung. Veränderung fängt mit einer Frage an und entwickelt sich während der Suche nach Lösungsansätzen. So kommt Chancengleichheit in unser System und so gestaltet die Stadt Winterthur nachhaltige Betreuungs- und Bildungsangebote für alle.

    Nicht, dass es dafür eindeutige Antworten und Wege gäbe. Wem der Themensprung zu gross war und wer inzwischen in der Regenrinne nach dem Osternäschtli sucht: Das Suchen will auch ausgehalten werden, mit Neugier, Offenheit und hoher Frustrationstoleranz. Jahrelang an einem Problem zu forschen beispielsweise, ist das eine. Aber das andere ist es, wenn die Lesebrille einfach nicht auffindbar ist. Dann sieht es mit der Geduld gleich anders aus.

    Und ebenfalls entscheidend: Ein Kind, das ein Erfolgserlebnis hat, also mal das Osternäschtli findet, ist auch für die Suche viel motivierter. Daher kehren wir nun zu unserem Haselstrauch zurück, zum versteckten Osternäschtli – sofern es noch da ist und sich nicht der Hund darüber hergemacht hat. Denn manche finden ja auch etwas, nach dem sie gar nicht gesucht hatten.

    Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage, ein gutes Suchen und Finden! Vielleicht auch neuer Wege?


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 17. April 2025

  • Nachhaltig beeindruckt

    Diesen Montag durfte ich als Schulvorsteherin bei einem ganz besonderen «Spatenstich» dabei sein. Nein, es ging nicht um den Spatenstich für ein neues Schulhaus – das hätte mich natürlich auch gefreut. Die Spaten hielten dieses Mal Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern in den Händen und sie haben mit ihrer Aktion den Start zu einem blühenden und nachhaltigen Projekt markiert.

    Die Klasse 5./6a des Schulhauses Schachen konnte am Montag zusammen mit ihren beiden Lehrpersonen den 1. Jury-Preis des nationalen Schulwettbewerbs «Ran an den Spaten» für ihr Schulgartenprojekt entgegennehmen. Die Schülerinnen und Schüler haben recherchiert, Interviews geführt und dann ihre Vision eingereicht, die jetzt preisgekrönt wurde. Beim Schulhaus Schachen werden künftig rund 30 verschiedene Gemüsekulturen und Pflanzenarten spriessen, natürlich biologisch. Und: Ein Teil des Schulunterrichts wird in den kommenden Jahren beim und rund um den neuen Schulgarten stattfinden. Begleitet wird das Projekt von Acker Schweiz mit dem treffenden Slogan «Wo Begeisterung wächst».

    Ich kann nur sagen: Wow! Und herzliche Gratulation. Als Stadträtin des Departementes Schule und Sport bin ich unter anderem für die Bildung der Kinder und Jugendlichen in Winterthur zuständig. Bildung ist wichtig. Und ja, dazu gehören Mathe und Sprachen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, dass eben auch andere Themen zur Bildung eines Menschen gehören. Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie, Biodiversität, gesunde Ernährung und soziale Kompetenzen im weitesten Sinne.

    Das Schulgartenprojekt Schachen passt perfekt zur Nachhaltigkeits-Initiative, die wir im Departement Schule und Sport gestartet haben. Der Fokus liegt dabei auf drei Querschnittsthemen: ökologische, soziale und finanzielle Nachhaltigkeit. Wir sammeln Projekte sowie neue Ideen und Visionen – siehe Schulgarten Schachen –, um davon zu lernen und bewährte Praktiken zu multiplizieren.

    Apropos Spatenstich: Haben Sie gewusst, dass in einer Schaufel (biologischer) Erde weit über 100’000 Lebewesen und Organismen stecken? Der Boden unter unseren Füssen lebt! Und übrigens tönt er auch. Bodentiere machen Geräusche, wenn sie sich bewegen, fressen oder kommunizieren. Glauben Sie nicht? Dann hören Sie mal, wie der Boden eines Buchenwaldes auf dem Irchel tönt oder ein Komposthaufen in Winterthur: soundingsoil.ch.

    In diesem Sinne: Bleiben wir geerdet und mit beiden Füssen fest auf dem Boden.


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 6. März 2025