Autor: martinablum

  • Rituale

    Ziemlich genau vor einem Jahr, vier Tage vor Weihnachten, ist der Kindergarten Schützenwiese bis auf die Grundmauern abgebrannt. Mit seinen 300 Jahren war das heimelige Gebäude vor dem Fussballstadion Schützenwiese ein nicht wegzudenkender, optischer Bestandteil des Quartiers und derKindergarten für Generationen. Und dann war das Gebäude über Nacht einfach weg. Mit ihm alles, was darin war: Puppen, Spielsachen, Bücher, Basteleien…

    «Tschau, liebe Chindsgi» war eine von vielen Abschiedsbotschaften und Zeichnungen, welche die rund 60 Kinder anlässlich eines Abschiedsrituals an das Absperrgitter geheftet haben. Dann haben alle Anwesenden gemeinsam einige Lieder gesungen.

    Kitschig? Keineswegs. Die Schulleitung, die Lehrpersonen, die Eltern und auch die Kinder haben verstanden, wie wichtig es ist rituell und gemeinsam Abschied zu nehmen, bevor etwas Neues beginnen kann. Der in Rekordzeit geplante und aufgestellte, temporäre Ersatzpavillon ist denn auch in kürzester Zeit zum neuen, lebendigen «Kindergarten-Daheim» für alle geworden.

    Entwicklungspsychologen haben schon lange festgestellt, wie wichtig Regelmässigkeiten und Rituale für die seelische Sicherheit sind. Der Soziologe Bruno Hildenbrand bringt es auf den Punkt: «Rituale stärken unser Selbst, sie stiften Ordnung und regeln Übergänge. Durch sie findet der Mensch seinen festen Platz in der Welt.»

    In der Maurerschule, eine der drei städtischen Sonderschulen, ziehen sich Rituale und Wiederholungen wie ein roter Faden durch den Schulalltag und das Schuljahr. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind wiederkehrende Erfahrungen und Rituale eine wichtige Orientierungshilfe. Das Bekannte vermittelt Sicherheit und Stabilität und bildet damit den festen Boden, um einen Entwicklungsschritt weiter zu gehen und Neues zu wagen.

    An meinem ersten Arbeitstag als neue Stadträtin wurde ich ebenfalls mit einem Ritual begrüsst: einem selbstgebastelten Willkommensgeschenk. Dieses steht noch immer an meinem Arbeitsplatz und es erinnert mich täglich an diesen freudigen Moment.

    Gerade die Wintermonate sind eine Zeit der vielen Bräuche, Rituale und Traditionen: Adventszeit, Weihnachten, Rauhnächte, Silvester, Neujahr, Dreikönigstag… Wir alle können selber entscheiden, welche Traditionen oder Rituale wir hochhalten möchten. Wichtig dabei scheint mir, dass man nebst Wiederkehrendem und Altbekanntem offen bleibt für Wandel und Neues, für das Entdecken, Experimentieren und Staunen.

    «Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers.»

    In diesem Sinne wünsche ich allen frohe Festtage und ein glückliches neues Jahr – mit wertvollen «alten» Erfahrungen und neuen Erkenntnissen.


    Herzlich, Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 21. Dezember 2023

  • Ein wirksames Ja für die Bildung in einer wachsenden Stadt

    Winterthur wächst. Ob man das nun gut oder weniger gut findet, oder ob einem das egal ist – es ist eine Tatsache. Und zwar schon seit einigen Jahren.

    Am 22. Oktober hat eine überwältigende Mehrheit ihr klares «Ja» für die Erweiterung der Schulanlage Wyden in Wülflingen abgegeben. Ganze 86,4 Prozent haben dem zusätzlichen Schul- und Betreuungsraum zugestimmt. Das ist ein Rekordergebnis für Schulhausabstimmungen. Die Bevölkerung hat damit nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt, dass die Stadt Winterthur dringend zusätzlichen Schulraum braucht.

    Für dieses grosse «Ja» bedanke ich mich von Herzen! Auch im Namen der Schulkinder und Jugendlichen und den vielen Personen, die sich tagtäglich im Bildungs- und Betreuungsumfeld und auch im Schulsport für ein bestmögliches Gelingen einsetzen.

    Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung ist eines der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Qualität und Zugang zu Bildung in einer rasch wachsenden Stadt zu gewährleisten ist anspruchsvoll – Schulraum ist ein wichtiges Element davon.

    Winterthur wächst derzeit durchschnittlich um rund ein Prozent jährlich. Unsere Stadt scheint vor allem für junge Menschen und Familien attraktiv zu sein. Denn das Wachstum an Schülerinnen und Schülern wächst pro Jahr nicht um ein, sondern um drei Prozent; die Nachfrage nach schulergänzender Betreuung sogar um sieben Prozent.

    Wir kennen das: Wenn Kinder heranwachsen, werden im Nu die Kleider, die Schuhe und das Bett zu klein. Und manchmal bringt das Grösserwerden auch Wachstumsschmerzen mit sich. Darum ist es wichtig, dass mit dem Bevölkerungswachstum unserer Stadt auch die Infrastruktur mitwächst, damit es nirgends drückt und zwickt.

    Wachstum ist auch eine Chance und kann durchaus spannend sein. Wir entscheiden mit, wie Winterthur wächst: im besten Fall nachhaltig – im gesellschaftlichen wie ökologischen Sinn. Dabei steht die Bildung im Zentrum. Denn nur mit guter Ausbildung werden wir es schaffen, Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln. 

    Sorgen wir weiterhin gemeinsam dafür, dass Winterthur eine lebenswerte Stadt bleiben kann – für uns und für kommende Generationen. 


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 2. November 2023

  • Startschuss

    Jetzt bin ich also unterwegs – und wie! Kaum ist der Startschuss des Amtsantritts verhallt, bin ich mitten drin im höchst lebendigen Alltag von Schule und Sport und dem grössten Departement der Stadt Winterthur. Der Start ist geglückt. Das ist aber vor allem den vielen hoch motivierten Mitarbeitenden und Teams zu verdanken, die mich äusserst herzlich willkommen geheissen haben und mich tatkräftig unterstützen. An dieser Stelle ein riesiger Dank an alle.

    Ich bin ein ausgesprochener Teammensch und bin mir darum bewusst, dass mein Amtsantritt kein Einzel-, sondern ein Massenstart war, zusammen mit den rund 1700 Mitarbeitenden des Departementes sowie den vielen Schulleitungen und Lehrpersonen der Winterthurer Volksschule. Ich freue mich, mit all diesen engagierten Menschen zusammen unterwegs sein zu dürfen.

    Die Pace ist sehr hoch, das habe ich schnell gemerkt. Und die Tempomacher habe ich ebenfalls bereits kennengelernt: Es sind dies die zahlreichen drängenden und wichtigen Projekte sowohl im Schul- und Betreuungsbereich, aber auch im Sport und betreffend Infrastruktur. Hinzu kommen viele aktuelle Anliegen aus der Bevölkerung und der Politik und ja, auch die Medien machen gehörig auf Tempo.

    Was ich nach meinen ersten vierzehn Tagen als Stadträtin und Präsidentin der Schulpflege bereits sagen kann: Mir gefällt mein neues Amt sehr und auch die diversen Aufgaben, die ich damit übernommen habe. Und dass ab und zu auch Hürden mitten auf der Strecke stehen, die es zu überwinden gilt, habe ich schon vor dem Start gewusst.

    Einen Neustart gab es auch für die rund 12’400 Kinder und Jugendlichen, die nach den Sommerferien in ein neues Schuljahr gestartet sind. Ihnen allen wünsche ich von Herzen gutes Gelingen, Freude an Neuem und dass sie sich in ihrem Schulumfeld wohlfühlen, zusammen mit vielen netten «Gschpänli».  

    Am 23. September fällt schon wieder ein Startschuss, nämlich jener zur diesjährigen Winti-SOLA, der Laufstafette entlang der Grenze von Winterthur. Schon am ersten Tag im Amt wurde ich angefragt, ob ich im Team des Departements Schule und Sport mitlaufen würde. Ehrensache! Jetzt bin ich am Trainieren. Obwohl ich die neue «Sportministerin» bin, würde ich mich jetzt nicht als Sportskanone bezeichnen, ich bin eher die Alltagssportlerin. Aber wie gesagt, ich bin ein Teammensch und werde darum für unser SOLA-Team mein Bestes geben.

    Genau das Gleiche gilt für meine Aufgaben als Stadträtin. Ich werde mein Bestes geben für diese tolle und sympathische Stadt.  


    Martina Blum
    Stadträtin, Vorsteherin Departement Schule und Sport

    Erschienen in der «Winterthurer Zeitung» am 14. September 2023